Die täglichen Gebetszeiten richten sich unmittelbar nach dem Stand der Sonne über Wiesloch. Damit Sie die Zeitfenster richtig einordnen können, finden Sie hier die wichtigsten Hintergrunderklärungen.
Fadschr-Zeit: Astronomische Morgendämmerung und Berechnung
Das Fadschr-Gebet beginnt mit der «wahren» Morgendämmerung (arab. Fadschr ṣādiq). Astronomisch entspricht dies dem Moment, in dem die Mitte der Sonne etwa 18 ° unter dem Horizont steht. Ab diesem Augenblick erscheint am östlichen Horizont ein erstes, quer verlaufendes Lichtband. Vorher ist die Nachtdämmerung (Fadschr kādhib), die für das Gebet nicht maßgeblich.
Die Berechnungsprogramme nutzen für Wiesloch die geografischen Koordinaten (49,29 ° N, 8,70 ° O), das aktuelle Datum und die Zeitzone Europe/Berlin. Daraus werden die Zeiten für den Sonnenstand und damit alle fünf Pflichtgebete errechnet. Bei Breitengraden oberhalb von 48 ° verlängert sich im Sommer die Phase der bürgerlichen Helligkeit; Fadschr rückt dadurch sehr früh in die Nachtstunden. Im Winter dagegen tritt die Morgendämmerung spürbar später ein.
Je nach verwendeter Methode variiert der Dämmerungswinkel (z. B. 15°, 18° oder 19,5°). Ein kleinerer Winkel führt zu späteren Fadschr-Zeiten, ein größerer zu früheren. Auch atmosphärische Bedingungen wie Dunst oder Wolken können den sichtbaren Dämmerungsbeginn verschieben, ändern jedoch nichts an der rechnerischen Zeit.
Asr nach hanafitischer und schafiitischer Methode
Für das Asr-Gebet gibt es zwei etablierte Berechnungsarten: Die hanafitische Schule legt den Zeitpunkt fest, wenn der Schatten eines Objekts zweimal so lang ist wie das Objekt selbst (zuzüglich des Mittagsschattenwertes). Die schafiitische, malikitische und hanbalitische Schule nimmt bereits das 1-fach-Schattenkriterium. Daher erscheinen in manchen Kalendern zwei Asr-Zeiten. Welche Methode Sie anwenden, richtet sich nach Ihrer Rechtsschule oder lokalen Gewohnheit.
Sonnenaufgang (Schuruk): letzte Minute für das Fadschr-Gebet
Schuruk bezeichnet den Moment, in dem der obere Sonnenrand den Horizont durchbricht. Mit diesem Augenblick endet die Fadschr-Zeit unwiderruflich. Wer also in aller Frühe betet, sollte das Gebet vor abschließen.
Im Koran wird betont, dass jedes Gebet «zur festgesetzten Zeit» verrichtet werden soll (4:103). Das Überschreiten von Schuruk macht das Nachholen (qaḍā’) des Fadschr-Gebets nötig. Zwischen Schuruk und etwa 15 Minuten danach gilt außerdem die Zeit des karāha: ein empfohlener Zeitraum, in dem freiwillige Gebete vermieden werden, weil die Sonne exakt zwischen beiden Horisonten steht.
Praktisch bedeutet das für Wiesloch: Je näher wir uns dem Sommeranfang nähern, desto früher fällt Schuruk. Im Juni kann er bereits kurz nach 5 Uhr liegen, während er im Dezember erst gegen 8 Uhr erreicht wird. Für Berufstätige empfiehlt sich deshalb ein Puffer, damit Fadschr nicht mit dem Arbeitsweg kollidiert.
Maghrib bis Ischa: warum die Abendzeit im Winter so kurz ist
Maghrib beginnt direkt nach Sonnenuntergang; dieser Zeitpunkt ist identisch mit dem Beginn des islamischen neuen Tages. Zwischen Maghrib und Ischa liegen in Wiesloch je nach Jahreszeit sehr unterschiedliche Spannen.
Im Sommer lässt die tiefer stehende Sonne den Abenddämmerungsbogen flacher verlaufen. Erst wenn die Sonne etwa 18 ° unter dem Horizont steht (astronomische Abenddämmerung), kann Ischa gebetet werden. Bei 49 ° nördlicher Breite kann das bis zu 2 Stunden dauern, sodass Ischa erst spätabends stattfindet.
Anders im Winter: Die Sonne taucht steiler unter den Horizont, die Dämmerungsphase verkürzt sich. Zwischen Maghrib und Ischa vergehen dann manchmal kaum 70 – 80 Minuten. Das bedeutet, dass beide Gebete zeitlich recht nah beieinanderliegen. Viele Gläubige verrichten deshalb das Ischa-Gebet frühzeitig in der Moschee oder zuhause, um nicht versehentlich in die späte Nacht auszuweichen.
Durch diese saisonalen Unterschiede schwankt auch die «halbe Nacht» () deutlich. Wer das Tahadscha-Gebet plant, kann sich an dieser Mitternacht im islamischen Sinn orientieren; sie fällt im Dezember sehr viel eher als im Juni.
Zusammengefasst zeigt die Tabelle der Monatszeiten, wie sensibel die Gebetsfenster auf Tageslänge, Sonnenstand und geographische Breite reagieren. Kleine Differenzen zwischen verschiedenen Zeitplänen resultieren meist aus unterschiedlichen Dämmerungswinkeln, Mazhab-Kriterien oder Runden auf die volle Minute.