Berechnungsmethoden: MWL, Diyanet und IGMG im Vergleich
Die Gebetszeiten, die hier für Zeitz angezeigt werden, beruhen auf astronomischen Formeln, bei denen der Sonnenstand für jeden Tag neu berechnet wird. Entscheidend ist der Winkel der Sonnendepression unter dem Horizont, bei dem die Morgendämmerung (Fadschr) bzw. die Abenddämmerung (Ischa) beginnt. Drei Methoden sind in Deutschland besonders verbreitet:
- Muslim World League (MWL): 18° für Fadschr und 17° für Ischa. Diese Werte wurden 1984 festgelegt und gelten als guter Kompromiss für mittlere Breitengrade.
- Diyanet: Die türkische Religionsbehörde nutzt 18°/17°, korrigiert jedoch zusätzlich um lokale Beobachtungen. Wegen der großen türkischen Community wird dieser Ansatz in vielen deutschen Moscheen übernommen.
- IGMG: Verwendet fast identische Winkel wie Diyanet, legt den Schwerpunkt aber auf eine einheitliche Zeit in ganz Europa, damit Gemeindemitglieder in unterschiedlichen Städten zeitnah beten können.
Alle drei Methoden liefern für Zeitz sehr ähnliche Ergebnisse. Geringfügige Abweichungen von ein bis zwei Minuten entstehen durch unterschiedliche Rundungsregeln und den Umgang mit Sommerzeit. Wer sich am Schafi‘i-, Maliki- oder Hanbali-Madhhab orientiert, kann die angezeigten Asr-Zeiten direkt übernehmen. Hanafiten rechnen den Beginn von Asr dagegen erst, wenn der eigene Schatten doppelt so lang ist wie das Objekt, was in Zeitz meist 20–30 Minuten später liegt.
Geographische Länge und der lokale Sonnenuntergang
Zeitz liegt auf 12,14° östlicher Länge. Pro Längengrad wandert die Sonne etwa vier Minuten früher oder später über den Horizont. Verglichen mit einer Stadt auf 9° E geht die Sonne hier also rund zwölf Minuten früher unter. Das beeinflusst vor allem Maghrib und die daran anschließende Ischa-Zeit. Selbst wenn zwei Nachbarorte dieselbe Breite haben, genügt schon ein kleiner Längengrad-Unterschied, um die Gebetszeiten spürbar zu verschieben.
Neben der Länge spielen Höhe über NN und lokale Hindernisse (Hügel, Häuser) eine Rolle. Für die astronomische Berechnung wird jedoch ein idealer Horizont angenommen. Reale Beobachtungen können daher um wenige Minuten variieren. Wer sehr genau sein möchte, sollte sich am deutlich sichtbaren Sonnenuntergang orientieren und dann den Adhan sprechen – die auf der Seite angegebenen Zeiten sind als verlässlicher Richtwert gedacht.
Breitengrad 51° N: Lange Sommertage und das Ishaa-Problem
Mit 51° Nord liegt Zeitz deutlich über der für die islamische Welt üblichen Breitenzone. Je höher die Breite, desto länger bleibt die Sonne im Sommer am Himmel und desto später verschwindet die nautische Dämmerung. Zwischen Juni und Juli sind in Zeitz nur etwa vier Stunden echte Nacht vorhanden; die rötliche Abenddämmerung hält fast bis Mitternacht an. Dadurch verschiebt sich Ischa oft weit nach 23 Uhr.
Islamische Gelehrte empfehlen für solche Regionen zwei Lösungsansätze, falls der astronomische 17°-Winkel nicht mehr erreicht wird:
- Bruchteil der Nacht – Ischa wird auf ein Siebtel oder die Hälfte der Zeitspanne zwischen Maghrib und Fadschr festgelegt. Dieser Ansatz sorgt dafür, dass das Nachtgebet nicht in die frühen Morgenstunden hineinrutscht.
- Festes Intervall – Einige Gemeinden addieren 90–120 Minuten zu Maghrib. Diyanet nutzt diese Methode nur in Skandinavien; in Zeitz ist der normale 17°-Winkel allerdings noch erreichbar, sodass hier keine Sonderregel nötig ist.
Für das Morgengebet gilt das Umgekehrte: Im Hochsommer beginnt die astronomische Morgendämmerung bereits gegen 02 Uhr. Wer seinen Suhur kurz vor beenden möchte, sollte daher nachts auf die Uhrzeit achten und nicht nur auf das erste Tageslicht warten.